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Empathie

Beobachtung statt Bewertung

Übung aus Marshall Rosenbergs *Nonviolent Communication* (1999), Kapitel 3 – die erste der vier NVC-Komponenten. Paare bekommen eine Liste von Aussagen („Charlie behaved selfishly" vs. „Charlie skipped to the front of the queue") und entscheiden: Beobachtung oder Bewertung? Danach formuliert jede:r eine eigene Bewertung um in eine reine Beobachtung. Tape-Recorder-Test: „Würde eine Kamera das so aufzeichnen?" Macht in 15 Minuten sichtbar, wie oft im Alltag Bewertungen als Beobachtungen verkauft werden. Eignet sich vor Konflikt- oder Feedback-Sessions, in Führungskräfte-Workshops, in Co-Creation-Phasen, vor schwierigen Stakeholder-Gesprächen. Nicht eignet sich die Übung in Gruppen, die NVC schon intensiv praktizieren – dann ist sie zu basic.

⏱ 12–15 min👥 4–999 Pers.📍 Präsenz / Online🧰 Vorbereitete Aussagen-Liste🎯 Übergang

Ablauf

  1. Kurzer Input (3 Minuten): NVC-Hintergrund in zwei Sätzen, dann der Kern: „Beobachtung beschreibt, was eine Kamera aufzeichnen würde. Bewertung interpretiert, was das bedeutet." Beispiele zeigen.
  2. Paare bilden, jedes Paar bekommt eine Liste mit 8–10 Aussagen, gemischt aus Beobachtung und Bewertung. Aufgabe: in 5 Minuten zuordnen.
  3. Auflösung in der Großgruppe (3 Minuten): pro Aussage eine Hand-Abstimmung „Beobachtung oder Bewertung?" Wo sich die Gruppe uneins ist, kurz besprechen.
  4. Eigene Übung (5 Minuten): jede:r schreibt eine typische Bewertung aus dem eigenen Alltag auf („Mein Kollege ist immer zu spät") und formuliert sie um in eine Beobachtung („In den letzten zwei Wochen ist mein Kollege dreimal nach 9:15 Uhr ins Standup gekommen").
  5. In Paaren austauschen. Moderation sammelt 2–3 Beispiele in der Großgruppe und macht den Tape-Recorder-Test live: „Würde die Kamera das so sehen?"
Tipp: Die Liste von 8–10 Aussagen vorbereiten – am besten branchenspezifisch, weil das die Methode konkret macht. Generische Listen aus dem NVC-Buch tun's auch, wirken aber weniger.